Eulenspiegel wird zur literarischen Figur
Natürlich verstanden es Schelme, Schälke und Narren zu allen Zeiten, mit
ihren Streichen die Aufmerksamkeit ihrer Mitmenschen auf sich zu lenken.
Früh schon waren solche Geschichten ein fester Bestandteil im
Erzählgut des Volkes, wobei leicht die Streiche des einen einem
anderen und schließlich Eulenspiegel zugeordnet wurden. Er faszinierte
die Maler und Bildhauer, die Dichter und Darsteller über Jahrhunderte
hinweg, bis heute hin.
Die älteste Kunde von schriftlich festgehaltenen
Eulenspiegelschwänken findet ihren Ursprung in einem Briefwechsel
aus dem Jahre 1411, zwischen dem westfälischen Kleriker Dietrich
von Nieheim (etwa 1340-1418) und dem aus Hannover gebürtigen
Johannes Schele, der 1420 zum Bischof von Lübeck ernannt wurde.
In einem Brief erwähnt Nieheim, dass eine Scheune, die er in Hameln
besitzt, repariert werden müsste. Er biete Schele aber trotzdem
an, dort Früchte einzulagern. Dies müsste aber vorsichtig
geschehen, damit sie als fruchtbare Saat gediehen und nicht gleich
der von Eulenspiegel ausgestreuten Saat würden.
Beide kannten also eine Schrift, in der Eulenspiegelschwänke zu lesen waren.
"Die Geschichte vom Steineaussäen", auf die sich der
Briefwechsel bezieht, und die auch im späteren Eulenspiegelbuch
von Hermann Bote als Historie 73 enthalten ist. Als Quelle mag hierfür
Virgils Erzählung vom Deucalion gelten, der nach der Flut Steine
säete, aus denen dann die rohen Menschen keimten.
Damit wäre dann ein Vorläufer der Historiensammlung Hermann
Botes bekannt, die 1510/11 bei Grieninger in Straßburg gedruckt
wurde. In ihr fanden viele längst bekannte Schwankerzählungen
unter Eulenspiegels Namen erneute Verwendung. Sie waren der stete
Brunnen, aus dem nachfolgend unsere Dichter schöpften.
Eulenspiegel als Titelheld in Dramen und
Komödien
Kurz nach Erscheinen des ersten Druckes griff Hans Sachs
zur Feder. In zahlreichen seiner Spruchgedichte, Meisterlieder und
Fastnachtsspiele fanden Eulenspiegelgeschichten ihren Niederschlag.
Vier dieser Fastnachtsspiele aus dem Jahre 1553 sind bis heute erhalten
geblieben und bestätigen den Beginn von Till Eulenspiegels Theater-Laufbahn.
Außerordentlich beliebt waren wenig später die Einakter und vor allem
die Singspiele von Jacob Ayrer(1543-1605). Zu seiner Zeit zogen professionelle
Schauspielertruppen mit ihren Theaterkarren von Ort zu Ort und unterhielten
ihr täglich wechselndes Publikum mit möglichst lustigen und burlesken
Stücken.
Dafür waren gerade die Eulenspiegelschwänke hervorragend
geeignet. Die konfessionellen und kriegerischen Auseinandersetzungen
bis weit in das 17. Jahrhundert hinein, aber auch der gewandelte Zeitgeschmack
verdrängten das Interesse am Eulenspiegel-Stoff für fast zweihundert
Jahre aus der Öffentlichkeit. Erst August von Kotzebue (1761-1819)
blieb es vorbehalten 1806 einen dramatischen Schwank, betitelt "Till
Eulenspiegel" zu schreiben. Leider sank in dieser Fassung Eulenspiegel
in die Rolle eines recht simplen Harlekins hinab. In einer weiteren
Posse des gleichen Jahres degradiert Kotzebue Till sogar zu einem
charakterlosen Tagedieb.
Diese Posse übernahm fast unverändert
der Wiener Theaterdichter Johann Nepomuk Nestroy (1801-1862).
Sie wurde 1835 im "Theater an der Wien" uraufgeführt, galt als ein
echtes Wiener Volksstück und konnte Jahre hindurch anhaltenden Publikumserfolg
verzeichnen. Till Eulenspiegel war für die Theaterwelt zu einer wichtigen
Figur geworden, an der man nicht mehr achtlos vorübergehen konnte.
So wundert es nicht, dass auch Richard Wagner (1813-1883) sein Interesse
für diesen urtypischen Schelmenstoff erkennen ließ. Er bedauerte daher
sehr, seine Reise nach Travemünde nicht für einen Aufenthalt in Mölln
unterbrechen zu können. Sehr gerne hätte er Eulenspiegels Grabstätte
zwecks Sujetstudien für eine spätere Bearbeitung kennen gelernt. Das
Schiff aber, das ihn nach Riga bringen sollte, wo Wagner im Juli 1837
seine Anstellung am dortigen Theater antrat, lag im Hafen von Travemünde
zur Überfahrt bereit. Es war also höchste Eile geboten, wollte er
noch rechtzeitig an Bord kommen.
Till Eulenspiegel in Mölln
In Mölln Eulenspiegels Grabstein aufzusuchen, war schon seit langer
Zeit ein weit verbreiteter Brauch. Dadurch wurde natürlich auch das
kulturelle Leben in der Stadt kräftig gestärkt. Dazu gehörten dann
und wann Theatervorführungen, doch kamen deren Themen über vaterländische
Texte oder Operettenabende nie hinaus. Till Eulenspiegel spielte höchstens
in Schülervorstellungen oder im Puppentheater eine Rolle.
Erst der Rundfunk gab einen Anstoß, über Eulenspiegel-Freilichtspiele auf
dem Marktplatz nachzudenken.
Es war der 1. September 1928 als die NORAG
zu einem Eulenspiegelfest einlud. Ab 20.00 Uhr bewegte sich ein langer,
buntkostümierter Zug unter den Klängen der Feuerwehrkapelle die Hauptstraße
entlang.
Ihr folgte ein Herold und nach ihm auf einem schimmelbespannten
Karren der inhaftierte Eulenspiegel.
Zu beiden Seiten die Henkersknechte,
blutrot gekleidet. Dann der Herzog von Lauenburg, Möllns Bürgermeister
und Ratsherren, alle feierlich in ihren Amtsroben. Zum Schluss viel
Volk in mittelalterlicher Tracht. So ging es hinauf zum Marktplatz,
wo von Fackeln beleuchtet eine Gerichtsverhandlung stattfand. Till
Eulenspiegel wurde zum Tode durch Ertränken verurteilt.
Für die Vollstreckung war ein Ortswechsel vorgesehen. Geschlossen ging es hinunter zum "Weißen
Roß", wo Till Eulenspiegel im Stadtsee ertränkt werden sollte. Dort
folgte ein lebhafter Disput, Eulenspiegel gelang es nachzuweisen,
dass er eigentlich ein Weiser, ein Philosoph sei, der nicht hingerichtet
werden dürfte.
Also wurde der Schelm unter dem Jubel der Bevölkerung
freigesprochen. Lange Zeit noch wurde von dieser Aufführung gesprochen,
so etwas gehörte nach Mölln. Das müsste unbedingt wiederholt werden.Doch
es sollten 20 Jahre und mit ihnen der 2. Weltkrieg und seine bitteren
Folgen über die Einwohner hinweggehen, ehe der Plan, Eulenspiegel-Freilichtspiele
zu organisieren, wieder lebendig wurde.
Die Möllner Eulenspiegel-Festspiele
der 1950er Jahre
1949 überlegten einige Möllner Bürger
und Kommunalpolitiker, wie das 600. Todesjahr des Narren im eulenspiegelgemäßen
Sinne gestaltet werden könnte. Man hatte erfahren, dass sich
Carl Zuckmayer mit dem Thema "Eulenspiegel" befasst hatte.
Also versuchte man ihn für die Idee zu gewinnen, für die
1950 stattfindenden Festspiele ein Eulenspiegel-Stück zu schreiben.
Zuckmayer sagte zu!
Doch es kam anders. Bei dem Bemühen, neuzeitliche
Ereignisse in das Eulenspiegel-Thema einzuarbeiten, war der "Hauptmann
von Köpenick" entstanden.
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Auf Zuckmayers
Empfehlung hin sprang der junge Dramaturg Wolf von Niebelschütz
(1913-1960) ein. Er lieferte ein flottes Stück "Eulenspiegel
in Mölln" ab, das in der Rolle des Till's den später
sehr bekannten und beliebten Schauspieler Günter Lüders
sah und das großen Anklang fand. |
Zwei Jahre später stand erneut
ein Gedenkjahr an. Der Stadt Mölln waren vor 750 Jahren die Stadtrechte
verliehen worden. Anlaß genug, 1952 wieder Eulenspiegel-Festspiele
zu veranstalten.
Dafür wurde
nun der Hamburger Dichter Paul Schurek verpflichtet.
Er nannte sein Stück "Eulenspiegel verkauft Mölln".
Unter maßgeblicher Beteiligung des Lübecker Stadttheaters
und als Till großartig mit Richard Münch besetzt,
war auch diesen Festspielen wieder ein großer Erfolg beschieden. |
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Dennoch entschieden
die städtischen Gremien, die Eulenspiegel-Festspiele nicht
mehr fortzusetzen. So endete 1957 mit der Aufführung eines
Stückes von Dr. Friedrich Hedler (1898-1987) und mit Hermann
Lenschau in der Hauptrolle diese Tradition für rund vierzig
Jahre. |
Ein neuer Anfang
Erst als 1994 das Organisationskomitee
von den Freilichtspielen der wunderschönen Stadt Aarberg in der Schweiz
eine in Berner-Düütsch umgearbeitete Fassung des Eulenspiegel-Stückes
von Günther Weisenborn (1902-1969) vorbereitete, wurde auch in Mölln
wieder über die Neuauflage der Eulenspiegel-Festspiele nachgedacht.
Das Muster Aarberg müsste auch für Mölln zu richten sein.
Mit großer Hoffnung, aber ebenso großer Vorsicht übernahm Robert F. Spuler, Kurdirektor
in der Eulenspiegelstadt und dem Kneippkurort Mölln, die Initiative
| Im steten Austausch mit den Freunden aus Aarberg,
mit viel Eifer und einer Reihe von Sponsoren hinter sich, nahm
er Kontakt zu jungen Künstlern auf. Mit Erfolg! Jürgen
Oliver Nees aus Hamburg schrieb das Stück "Der Stein
des Anstoßes", Regie führte Stefan Schönfeld
aus Bremen. Unter ihrer Leitung wurde ein leistungsfähiges
Ensemble um den jungen und überaus begabten Schauspieler
Matthias Klimsa gebildet. |
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Die von 8 Möllner Bürgern und Geschäftsleuten
frisch gegründete "Gemeinnützige Möllner
Festspielgesellschaft mbH" freute sich, nach fast
40-jähriger Pause 1997 wieder gut gelungene, stets ausverkaufte Festspiele
präsentieren zu können.Zuversicht und Mut blieben
und so konnte bereits im Jahr 2000 das Eulenspiegelspiel "Narren
narren" von Friederike Füllgrabe mit großem
Erfolg unter der erneuten Regie von Stefan Schönfeld
und in der Hauptrolle mit
Helge Bechert (...als Eulenspiegel),
vor wieder ausverkauften Tribünen dem begeisterten Publikum
präsentiert werden.
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Die zwischenzeitlich
von 8 auf 15 gestiegene Zahl der die Festspielgesellschaft tragenden
Gesellschafter, das große Publikumsinteresse, ein guter Sponsorenpool
und der feste Wille, die Eulenspiegel-Festspiele für Mölln auf
Dauer und in dreijährigem Spielrhythmus zu erhalten, haben die
Planungen für 2003 erneut befördert und die Umsetzung ermöglicht.
Vom 7. bis zum 17. August 2003 war Michael Meyer als Eulenspiegel
in dem Stück „Narrenplage“ von Jürgen Oliver Nees zu sehen.
Regie führte Mathias Schönsee.
In den bewährten Händen von Jürgen Oliver Nees (Autor) und Mathias Schönsee (Regie) lag auch das
Stück, das 2006 auf dem Möllner Marktplatz gespielt wurde und
Till Eulenspiegel auf einer Insel zwischen gestern und morgen
stranden ließ. Unter dem Titel „Woher der Wind weht“ waren Helwig
Arenz in der Rolle des Eulenspiegel und Zoe Hutmacher in der
weiblichen Hauptrolle der Gloria zu sehen.
Inzwischen laufen die Vorbereitungen für die Festspiele 2009 auf Hochtouren… |
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