Till Eulenspiegel . . .
Titelheld in Dramen und Komödien
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"Ich bin der arme Eulenspiegel, wenn einer unter Euch einen groben Zotten, einen stincketen Bossen vorbringet und ich gleichwohl nichts dazukann, so heisset es doch, es sind des Eulenspiegels Bossen. Aber wisset, dass Ihr untereinander selbst größere Eulenspiegel und Narren seid, als ich jemalen gewesen..." (Hans-Michael Moscherosch von Wilstätt in "Geschichte Hilanders von Sittewaldt", 1650). Natürlich verstanden es Schelme, Schälke und Narren zu allen Zeiten, mit ihren Streichen die Aufmerksamkeit ihrer Mitmenschen auf sich zu lenken. Früh schon waren solche Geschichten ein fester Bestandteil im Erzählgut des Volkes, wobei leicht die Streiche des einen, einem anderen und schließlich Eulenspiegel zugeordnet wurden. Er faszinierte die Maler und Bildhauer, die Dichter und Darsteller über Jahrhunderte hinweg, bis heute hin. Die älteste Kunde von schriftlich festgehaltenen Eulenspiegelschwänken findet ihren Ursprung in einem Briefwechsel aus dem Jahre 1411, zwischen dem westfälischen Kleriker Dietrich von Nieheim (etwa 1340-1418) und dem aus Hannover gebürtigen Johannes Schele, der 1420 zum Bischof von Lübeck ernannt wurde. In einem Brief erwähnt Nieheim, dass eine Scheune, die er in Hameln besitzt, repariert werden müsste. Er biete Schele aber trotzdem an, dort Früchte einzulagern. Dies müsste aber vorsichtig geschehen, damit sie als fruchtbare Saat gediehen und nicht gleich der von Eulenspiegel ausgestreuten Saat würden. Beide kannten also eine Schrift, in der Eulenspiegelschwänke zu lesen waren. "Die Geschichte vom Steineaussäen", auf die sich der Briefwechsel bezieht, und die auch im späteren Eulenspiegelbuch von Hermann Bote als Historie 73 enthalten ist. Als Quelle mag hierfür Virgils Erzählung vom Deucalion gelten, der nach der Flut Steine säete, aus denen dann die rohen Menschen keimten. Damit wäre dann ein Vorläufer der Historiensammlung Hermann Botes bekannt, die 1510/11 bei
Grieninger in Straßburg gedruckt wurde. In ihr fanden viele längst bekannte Schwankerzählungen
unter Eulenspiegels Namen erneute Verwendung. Sie waren der stete Brunnen, aus dem nachfolgend unsere Dichter
schöpften. Kurz nach Erscheinen des ersten Druckes griff Hans Sachs zur Feder. In zahlreichen seiner Spruchgedichte,
Meisterlieder und Fastnachtsspiele fanden Eulenspiegelgeschichten ihren Niederschlag. Vier dieser Fastnachtsspiele
aus dem Jahre 1553 sind bis heute erhalten geblieben und bestätigen den Beginn von Till Eulenspiegels Theater-Laufbahn. So wundert es nicht, dass auch Richard Wagner (1813-1883) sein Interesse für diesen urtypischen Schelmenstoff erkennen ließ. Er bedauerte daher sehr, seine Reise nach Travemünde nicht für einen Aufenthalt in Mölln unterbrechen zu können. Sehr gerne hätte er Eulenspiegels Grabstätte zwecks Sujetstudien für eine spätere Bearbeitung kennen gelernt. Das Schiff aber, das ihn nach Riga bringen sollte, wo Wagner im Juli 1837 seine Anstellung am dortigen Theater antrat, lag im Hafen von Travemünde zur Überfahrt bereit. Es war also höchste Eile geboten, wollte er noch rechtzeitig an Bord kommen. In Mölln Eulenspiegels Grabstein aufzusuchen, war schon seit langer Zeit ein weit verbreiteter Brauch. Dadurch wurde natürlich auch das kulturelle Leben in der Stadt kräftig gestärkt. Dazu gehörten dann und wann Theater vorführungen, doch kamen deren Themen über vaterländische Texte oder Operettenabende nie hinaus. Till Eulenspiegel spielte höchstens in Schülervorstellungen oder im Puppentheater eine Rolle. Erst der Rundfunk gab einen Anstoß, über Eulenspiegel-Freilichtspiele auf dem Marktplatz nachzudenken. Es war der 1. September 1928 als die NORAG zu einem Eulenspiegelfest einlud. Ab 20.00 Uhr bewegte
sich ein langer, buntkostümierter Zug unter den Klängen der Feuerwehrkapelle die Hauptstraße entlang. Zu beiden Seiten die Henkersknechte, blutrot gekleidet. Dann der Herzog von Lauenburg, Möllns Bürgermeister und Ratsherren, alle feierlich in ihren Amtsroben. Zum Schluß viel Volk in mittelalterlicher Tracht. So ging es hinauf zum Marktplatz, wo von Fackeln beleuchtet eine Gerichtsverhandlung stattfand. Till Eulenspiegel wurde zum Tode durch Ertränken verurteilt. Für die Vollstreckung war ein Ortswechsel vorgesehen. Geschlossen ging es hinunter zum "Weißen Roß", wo Till Eulenspiegel im Stadtsee ertränkt werden sollte. Dort folgte ein lebhafter Disput, Eulenspiegel gelang es nachzuweisen, dass er eigentlich ein Weiser, ein Philosoph sei, der nicht hingerichtet werden dürfte. Also wurde der Schelm unter dem Jubel der Bevölkerung freigesprochen. Lange Zeit noch wurde von dieser Aufführung gesprochen, so etwas gehörte nach Mölln. Das müsste unbedingt wiederholt werden. Doch es sollten 20 Jahre und mit ihnen der 2. Weltkrieg und seine bitteren Folgen über die Einwohner hinweggehen, ehe der Plan, Eulenspiegel-Freilichtspiele zu organisieren, wieder lebendig wurde. 1949 überlegten einige Möllner Bürger und Kommunalpolitiker, wie das 600. Todesjahr des Narren im eulenspiegelgemäßen Sinne gestaltet werden könnte. Man hatte erfahren, dass sich Carl Zuckmayer mit dem Thema "Eulenspiegel" befasst hatte. Also versuchte man ihn für die Idee zu gewinnen, für die 1950 stattfindenden Festspiele ein Eulenspiegel-Stück zu schreiben. Zuckmayer sagte zu! Doch es kam anders. Bei dem Bemühen, neuzeitliche Ereignisse in das Eulenspiegel-Thema einzuarbeiten,
war der "Hauptmann von Köpenick" entstanden.
Zwei Jahre später stand erneut ein Gedenkjahr an. Der Stadt Mölln waren vor 750 Jahren die Stadtrechte verliehen worden. Anlaß genug, 1952 wieder Eulenspiegel-Festspiele zu veranstalten.
Erst als 1994 das Organisationskomitee von den Freilichtspielen der wunderschönen Stadt Aarberg in der Schweiz eine in Berner-Düütsch umgearbeitete Fassung des Eulenspiegel-Stückes von Günther Weisenborn (1902-1969) vorbereitete, wurde auch in Mölln wieder über die Neuauflage der Eulenspiegel-Festspiele nachgedacht. Das Muster Aarberg müsste auch für Mölln zu richten sein. Mit großer Hoffnung, aber ebenso großer Vorsicht übernahm Robert F. Spuler, Kurdirektor in der Eulenspiegelstadt und dem Kneippkurort Mölln, die Initiative.
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